Allgemeines:
Die
Guildline Instrument Type 9152 ist ein vierfach Spannungsnormal auf
Basis von gesättigten Weston Elementen. Eine patentierte
schaltungstechnische
Besonderheit ist die mit sehr hoher
Präzision geregelte Temperaturkammer der Standardzellen. Die
Kammer dieses Guildline Type
ist nominal auf 35 Grad eingestellt, manche Typen auch auf 30°C. Die Langzeitstabilität der
Temperatur ist mit +/-0.01°C angegeben. Die Temperatur kann manuell
um +/-0,08 Grad gestellt werden und somit ein minimaler
Einfluß auf die Zellenspannung ausgeübt werden oder die
mögliche Drift der Heizung ausgeglichen werden kann. Wie die
Temperatur der Heizung zu überprüfen ist, darüber fehlen
mir leider die Unterlagen. Sie steht jedenfalls immer auf 0.0°C,
wie seit eh und je.
Die Spannung
der Zellen ist
temperaturabhängig, um diese Abhängigkeit zu
minimieren befinden sich die Zellen in einer beheizten und isolierten
Kammer. Der Stromverbrauch dazu
ist, durch die gute Isolierung gering. Zwei grüne Lampen ON oder
OFF zeigen an ob die Heizung an ist oder nicht. Die Hysterese dieser ON
OFF Lampem beträgt geschätzt etwa 30 Sekunden bis 1 Minute,
je nach Raumtemperatur. Falls die Netzspannung ausfallen sollte,
schaltet das Gerät auf eine externe 12V Batterie um. Die
Batterieversorgung dient auch zum Transport.
Eingebaut ist ein
kalibrierter Thermistor um die Ofentemperatur mittels einer
Meßbrücke und einem Nullpunkt Galvanometer
exakt bestimmen zu können. Vier
Zellen sind eingebaut, um eine Serienschaltung der Normale
durchzuführen, damit auch höhere Spannungen als nur
1,017...Volt zu erreichen sind; zu dem besteht so die Möglichkeit
von Vergleichsmessungen der einzelnen Zellen zueinander.
Die verbauten Zellen sind gesättigte Zellen. Im Gegensatz zu
ungesättigten Zellen, haben die gesättigten eine geringere
Selbstentladung über die Jahre, ihr Temperaturkoeffizient ist
allerdings höher verglichen zu Ungesättigten. Der Einbau
gesättigter Zellen in temperaturgeregelter Umgebung
ist unbedingt sinnvoll.
Historie dieses Gerätes:
Das
Instrument wurde 1964 gefertigt und wurde von Fachpersonal
über vier Jahrzehnte gehegt und gepflegt. Ständig am
selben Standort bis ca. 2003, ständig im eingeschalteten
"beheizten" Zustand, sie wurde nur zu
Transport- und Kontrollzwecken der Zellen selbst bewegt, und
während des Transports die Heizung über eine Batterie
versorgt. Ob nicht doch gelgentlich eine Fehlbehandlung passierte, kann ich nicht sagen.
Sie ging etwa Anfang der Neunziger Jahre in den Ruhestand wegen
Ersatz mit einem besseren moderneren Standard. Die Messwerte
wurden jedoch vom Kalibirierlabor aus Eigeninteresse ständig
weiter beobachtet,
für Kalibrierzwecke wurde sie jedoch seit langem nicht mehr
genutzt und folglich auch kaum mehr Ströme gezogen etwa seit
Anfang der Neunziger Jahren.
Um den in der Elektrotechnik
weniger versierten Personenkreis nochmals zu
verdeutlichen, thermisch geregelte elektrochemische Elemente
hatten über viele Jahrzehnte hinweg einen führenden Platz in der
Gruppe der genauesten
Spannungsnormale, die die Elektrotechnik zu bieten hatte.
Dieses hier vorgestellte Instrument ist von 1978 bis 1999 ein
Musterbeispiel für "Rückführbarkeit" über einen
sehr langen Zeitraum, die Aufzeichnungen von 1964 bis 1978 waren leider
nicht mehr auffindbar, der Vorbesitzer meint sich erinnern zu können es seien noch die ersten Zellen.
Während der aktiven Nuzung wurde dieses Gerät deutlich
häufiger benutzt als nach etwa 1991.
Die gute Behandlung versuche ich fortzusetzen. Im Jahr 2003 kam
das Gerät in meinen Besitz und ist bis heute ständig am
Netz und seitdem auch nie mehr transportiert worden.
Für eine gute Behandlung ist es außerdem wichtig zu wissen:
- Standardzellen dürfen niemals
mit hohem Strom belastet werden, das könnten sie sogar, aber
hinterher ist der Spannungswert bestimmt um einiges weggedriftet (habe
zum Glück keine persönlichen Erfahrungswerte). Selbst nur
kurzes Stromziehen durch "Unfall" mit den Messleitungen ist unbedingt
zu vermeiden. Im Idealfall schließt man sie auch nur so kurz als
nötig an dem entsprechenden Messequipment an. Daß das
Equipment möglichst hochohmig sein sollte versteht sich von
selbst. Der interne 500 Ohm Widerstand verhindert das schlimmste -
trotzdem, Strom aus Standardzellen ist somit einer der edelsten
Batterie Ströme.
- Gesättigte Standardzellen werden bei Temperaturen von +43°C zerstört.
Aus diesem Grund hat dieses Gerät auch einen Übertemperaturschutz mit Bimetall und Schmelzsicherung, der im
Fehlerfall der Heizungsregelung die Standardzelle vor der
Zerstörung rettet. In einem Datenblatt hatte ich gelesen das Bimetall bringt bei einer
Innentemperaturerhöhung von 5°C gegenüber der
Normaltemperatur eine Schmelzsicherung zum Auslösen. Eine
Temperatur von 43°C ist nicht besonders hoch, so etwas kann im
Freien in der Sonne stehend spielend leicht erreicht werden, kann mir
vorstellen, dass bei einer Lagerung im Sommer in einem Dachstuhl ganz
locker ähnliche Temperaturen herrschen. In diesem Fall der zu
hohen Umgebungstemperatur sind die internen Schutzmaßnahmen
natürlich wirkungslos. Das Gerät steht in einem Raum, der
über das Jahr hinweg relativ konstante Wohlfühl Temperaturen
aufweist. Das mag alles trivial und logisch klingen, wenn man es
weiß. Wer diese 43°C Zerstörungsgrenze gar nicht kennt,
der ist bestimmt dankbar über diese Information und wird
entsprechend aufpassen und auch schon bei "nur" 40°C anfangen zu
denken.
- möglichst wenig bewegen, nach einem Transport kann es Wochen
dauern bis sich die Zellen wieder ihren vorherigen Wert annehmen.
Die Zellen sind sehr empfindlich gegenüber Transport. (Erwin ich
danke für diese Extra Information).
- manche DMM belasten die Quelle recht stark (Erwin danke für
die Info), kann ich nur bestätigen, bei manchen Metern wandert die
Quelle rasch um 1-2 µV nach unten, nicht so beim 3457A, da
ändert sich nichts, es muss sehr hochohmig sein. Aufzupassen ist
auch beim Einsatz von einem DC-Nullvoltmeter,
im kleinsten Messbereich ist der Eingangswiderstand deutlich reduziert,
deshalb sind diese auch im ausgenullten Zustand zu betreiben mit
aktiver interner Gegen EMK, erst diese bewirkt es, dass kaum Strom
gezogen wird.
- Um
die Anschlüsse herum wurde es sehr gut gereinigt und entfettet,
das möglichste wurde getan um wenigstens die externe
Selbstentladung so gering als möglich zu halten.

Die Kupferanschlüsse als auch die Schrauben wurden gereinigt
Hier finden sich auch sehr viele Informationen über Standard Zellen:
http://ts.nist.gov/MeasurementServices/Calibrations/Voltage.cfm
dieser hier ist besonders interessant:
http://ts.nist.gov/MeasurementServices/Calibrations/upload/MN84.pdf
An unsaturated standard cell is the
Eppley Standard Cell
No.100
More
infos about a standard cell:
http://www.humboldt.edu/~scimus/Instruments/EppCellMan/EpplyMan.html
Der
Graph zeigt den Spannungsverlauf der einzelnen Zellen aus den Jahren
1978 bis 2007.
In den Jahren 78, 82, 86, 88 und 91 wurden die Zellen
von der PTB, der Physikalisch Technischen Bundesanstalt in Braunschweig
gemessen, die anderen Jahre von dem besitzenden Kalibrierlabor selbst.
Erwin gab mir die freundliche Information:
"die Historie zeigt einen Knick bei 1990. Das ist
nur auf den ersten Blick nicht schön, denn das
internationale Volt wurde 1990 angepasst. Vielleicht ist eine Erwähnung wert."
Aber sicher doch, ich danke Dir sehr für diese Information, ich
dachte schon das Personal hatte die Zellen in diesem Jahr besonders
intensiv genutzt.
Nach 1999 wurden die Zellen nicht mehr offiziell vermessen, die Messung aus dem
Jahr 2003 stammt von zwei
HP 3457A
digital Multimeter,
deren Messwert gemittelt wurde. Die DMM sind ein paar Wochen vorher an
einem Normal kalibriert
worden,
die bekannte DMM Abweichung ihrer Anzeige im Display wurde hier
mit berücksichtigt, diese
Zeitspanne ist aber schon viel zu lang und behaftet den Transfer mit
einem gewissen Fragezeichen. Einen Fehler kann ich bei der 2003 Messung
gemacht haben, die Zeitdauer der Messung vom Transport zur Messung war
mit Sicherheit kleiner als eine Woche, ebenso habe ich mir weder
Warmlaufzeiten der DMM (ich glaube sie war unter 1h) noch die
Raumtemperatur notiert.
Es lies mir keine Ruhe und eine
Vermessung am 16.04.2007
stand an, hierbei wurde nur ein DMM genutzt, dem zweiten traue ich momentan nicht mehr ganz so wie der No. 20
Vermessen wurde mit dem 3457A, meiner No.20 von dem ich ausgehe es ist
mein genauestes. Sieht gar nicht mal so schlecht aus, kann sein es
zeigt ein paar µV zuviel an. Eine Stunde später sind die
Messwerte nochmals um ca +1µV angestiegen. Der sich auf gleicher
Höhe befindliche Quecksilber Thermometer zeigt fast 24°C zum
Ende der Messung. Der Ofen steht auf 0%. Anschließend wurde noch
mit dem DC Null Voltmeter die Differenzspannung zwischen den fast
identischen Zellen 2 und 3 gemessen, etwa ein halbes µV.
Betrachtung der Kurve:
Geht man vereinfacht von einer linearen Alterung aus, so verlieren die
Zellen jedes Jahr etwa 1 Mikrovolt. Berücksichtigt man aber
die Anpassung des internationalen Volt im Jahr 1990, so würde sich die
Steigung der Reggressionsgerade jedoch abflachen. Ich werde in
naher Zukunft ein neues Diagram erstellen, mit Regressionsgeraden aus
den Jahren vor 1990 und danach.
Zelle 1 hat konstant etwa 8µV mehr als die anderen.
Beachtlich Zelle 2 und 3 sind bereits seit Jahren immer im
Gleichlauf.
Diese
Zellen befinden sich hoffentlich noch in ihren guten Jahren -
daran muss ich zumindest glauben. Bei einem Normal dieser
Qualitätsklasse, da kann ich nur noch "daran glauben" oder es ganz
bleiben lassen. Mit diesen Standardzellen hier ist das Ende der
"Rückführbarkeit" meiner Messinstrumente erreicht. Eine
nochmalige Überprüfung bei der PTB sprengt den Rahmen
privater Nutzung, es sei denn es sponsert mir jemand diese Investition.
Aussicht:
Irgendwann werde ich eine Transfermessung machen mittels DMM,
diese ein paar Stunden zuvor an einem guten bekannten
Standard in diesem Spannungsbereich prüfen lassen und am selben
Tag dann die Standardzellen messen.