Author Topic: Echolette M40 - 30 Jahre lang nicht mehr eingeschaltet.  (Read 3383 times)

amplifier

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Echolette M40 - 30 Jahre lang nicht mehr eingeschaltet.
« on: December 22, 2013, 10:13:50 PM »
Sehr geehrter Herr Ohmberger,

habe nach Lektüre ihrer Seite "Alterung von Bauteilen in der Elektronik" mich gefragt  inwieweit eine Echolette von Klemt nach ca. 30 Jahren ungenutzt auf einem Dachboden "gealtert" sein könnte, d.H., ob es daort zu erheblichen Alterungs- und Performancedefiziten kommen kann?   Und wenn ja, welche Teile besonders betroffen sein könnten (ich miene nicht knacksen der Potis sondern eher Transister/Röhren) die für wie teuer ersetzt werden müssten?

Die Echolette ist wie hier beschrieben ein reiner Röhrenverstärker:

http://www.radiomuseum.org/r/klemt_echolette_m40m_4.html

Viellen Dank für ihre wertvolle Meinung!

Mit freundlichen Grüßen!

xxx

Hallo xxx,
würde da so rangehen:

  • Reinigen, Staub, Dreck, Spinnen, Insekten und sonstiger Schlunz
    Leicht mit Wasser Reinigen
    Reinigen mit Alkohol
    Wenn das Ding dann mal so weit einigermaßen grob sauber ist sieht man Fehler besser
    Sicherungen cheken, checken ob alle Bauteile drin sind
    Checken ob die Isolierungen der Leitungen auf den ersten Blick ok sind
    Regelbarer Trenntrafo am Netz vorschalten, langsam die Netzspannung hochfahren
    Beten oder sonst welche besonderen esoterischen Maßnahmen zur Gemütsruhe

ACHTUNG MESSEN AM OSZI nur mit vorgeschaltetem Trenntrafo (die Masse des Oszi liegt auf Schutzleiter, falls Du damit im Innern des Radios auf die Phase des AC-Netz kommt knallt es nicht schlecht und dein Oszi oderTastkopf wird wahrscheinlich den Abgang machen. Viele alte Geräte sind sekundär immer noch galvanisch nicht vom AC Netz getrennt - das ist kein übliches Sicherheitsblabla, nein das meine ich ernst. Wenn galvanische Trennung im Gerät vorhanden, dann ist es ok - ich seh den Zwergenschaltplan nicht richtig, also schau selber nach an welchen Stellen du mit dem Oszi aufpassen musst.

DIE BETRIEBSSPANNUNGEN IN DIESEM GERÄT SIND LEBENSGEFÄHRLICH (auch die Röhrenspannungen !!!)

Wenn schon mal nichts geknallt hat, abgeraucht ist, schon mal ein Stück weiter, kein uralter kurzgeschlossener Elko den Gleichrichter gehimmelt.

Unter Beachtung der elektrischen Sicherheitsvroschriften, messen was denn so primär aus dem Trafo rauskommt und nachsehen ob die Gleichspannung am Glättungselko i.O ist, wenn ja dann schon mal viel gewonnen.

Schauen Heizen alle Röhren?, Röhrenheizung Spannung nachmessen, meist AC, manchmal DC.
Ausprobieren, Eingang Signalgenerator anlegen oder Musiksignal, Ausgang mit Oszi beobachen. Eingang und Ausgang muss gleiche Masse haben, sonst macht der Oszi bockig rum.

Alte Schaltungen sind teils genial, aber auch oft beschissen zum messen, da sich unsere Vorfahren eins abgekaspert haben Bauteile einzusparen wo immer es nur geht, da diese damals teuer waren im Vergleich zu heute. Schaltplan genau ansehen.

Last anhängen, Kopfhörer oder zuerst entsprechender Widerstand oder zuerst rotzbilligen Kopfhörer, dessen Himmelung egal ist.

Spannung am Ausgang unter Last mit dem Eingang vergleichen.

Gleichspannung der Betriebsspannung unter Last beobachten mit dem Oszi und Ripple beobachten, beträgt dieser ettliche AC Volt, dann ist der Elko mit den Jahren eine Lusche geworden, bei sauberem DC, kann man den drin lassen.

Widerstände sind selten kaputt oder manchmal werden sie hochohmiger, bei Verdacht austauschen (vorher eine Seite ablöten und nachmessen).

Die kleineren Kondensatoren kann man bei Funktion drin lassen, ansonsten tauschen, kosten ja nicht die Welt - Original Liebhaber müssen halt suchen und suchen bis sie optsich was gleiches finden.

Die Röhren???? können noch erstklassig sein oder halb oder Luschen. Letzendlich hilft nur ein Röhrenprüfgerät (haben viele Radiofreaks zu Hause) oder ein röhrenfähiger Kennlinienschreiber (hat kaum jemand) um sie auszutesten oder wenn Du keines hast aber viel Zeit, eine Röhrentestschaltung selber aufbauen und die Arbeitspunkte mit dem Datenblatt überprüfen. Wenn nichts von dem machbar ist, bei verdächtigen Röhren diese gegen Tauschexemplare tauschen und probieren was passiert. Denke jeder Röhrensammler könnte dir helfen aus seinem Fundus zum testen. Ansonsten halt die Röhren drin lassen, wenn das Gerät geht. Die meisten Röhren sind über die Jahre schwächer geworden, selbst bei neuen unbenutzten gibt es oft Luschen, aber andererseits gibt es auch gebrauchte die immer noch top sind. Die Frage zu den Röhren lässt sich nicht pauschal beantworten. Geräte Funktion prüfen, bei Bedarf dann bei den Röhren nach Luschen und Fehlern suchen.

Falls das Gerät wichtig ist, kannst du dir auch neue Röhren kaufen - aber nur welche bei denen der Verkäufer eine Messung auf seinem Röhrenprüfgerät machen kann - ohne diesen Test wäre der Kauf von Röhren ein Tausch von Rost gegen Motten, die du nicht kennst. Kauf dir keine Edelröhren, von Audianern geheiligte Premiummarken, (natürlich gibt es Unterschiede) allerdings sind die bei dieser Echolette Kiste höchstwahrscheinlich vollkommen wurscht. Kauf die billigsten, bei denen eine Überprüfung auf dem Röhrenprüfgerät möchlich war, sprich der Verkäufer muss wissen was er da verkauft und dir Röhrenfunktion garantieren können.

Ich kenne Dein Wissensstand zur E-Technik nicht, falls das nicht dein Berufsfeld ist, lass die Finger von diesem Gerät, du brauchts zu viel Test Equipment und Wissen um es wieder richtig zum Laufen zu bekommen, es sei denn er läuft schon oder Du kennst einen Elektroniker in deiner Nähe, der dir viel beim Messen und Beurteilen der Messergebnisse helfen kann - das ist die Wahrheit.

Gruss Ralf
« Last Edit: December 22, 2013, 10:17:41 PM by amplifier »